Irgendwas mit web…

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So. Neues Format der Öffentlich-Rechtlichen. Irgendwas mit web natürlich. Und mit App. Natürlich.

In der Eigenwerbung heißt es da schon mal:

[…] Hey! Wir sind funk, wir sind ARD und ZDF und wir sind kein Fernsehkanal. Wir sind ein Netzwerk mit Inhalten für 14- bis 29-Jährige – mit Inhalten für 15 Millionen Deutsche also. […]

Aha.

Warum fühle ich mich sofort an die verkrampft jugendliche und beinahe inhaltsleere bento – Applikation von spiegel.de erinnert?

Also gut. Mal ansehen. Kann man ja mal. Und los:

Mit verschiedensten Formaten soll sich da an die obengenannte Zielgruppe gepirscht werden:

Die Tatort-Show knüpft wohl irgendwie (recht bemüht) an die wirklich gute heute-show an. Seufz.  Dann: schönschlau macht einen auf Belehr-Bär, damit der Durchschnittzielgruppenempfänger endlich mal was über Ernährung lernt; Lovemilla soll wohl eine Art Teenager-reality-Vblog sein. Vermutlich haben die Macher mal was über Influencer bei YouTube gelesen und müssen das jetzt irgendwie als Format adaptieren. Etwas erhellender (zumindest in der Darreichung) sind die Beiträge von Comedian Moritz Neumeier, der zumindest pointiert und nachfragend seine Gedanken aufrollen kann. Aber: Interessiert das  14- bis 29-Jährige?

Lustig geht auch – es wird jedenfalls versucht: Mit einer Art öffentlich-rechtlichen Jack-Ass-Variante, die hier Kliemannsland benannt wird. Auch hier merkt man schnell, wie sehr sich die Macher bemühen. Lustig geht anders. Wenigsten weiß ich jetzt, wie wichtig wakeboarding auf dieser Welt ist.

Was wäre das alles bloß ohne eine exklusive Serie? In Staffeln. Is kla. Schon der trailer lässt mich aussteigen. Ich bin sicher zu alt für den Quatsch.

Betroffenheits-News vermittelt das Y-Kollektiv (Generation Y??), natürlich echt, nah, menschlich und subjektiv. Natürlich auf YouTube.

Ebenfalls dort präsent: 1080 Nerd Scope. Unvermeidlich in der Mitwirkung ist Ex-Gamer LeFloid, nun auch als Kommentator für seine Tageswahrnehmungen unterwegs. Aber hier geht es um neue games, alles etwas let’s-play-mäßig inspiriert, könnte aber funktionieren.
Nun zum unvermeidlichen Talk. Der findet hier bezeichnenderweise auf dem Klo statt (??) und heißt dann auch so. Aua.

Fehlt noch BA. Der hat leider gar nichts mit einem Herrn Barracus aus einer klassischen TV-Serie zu tun. Vielmehr versucht hier ein sonnenbebrillter Bartträger mit hipper Kappe zu erklären, wie das Durchschnittskind aus der Stadt und von anderswo ein richtiges Rap-Video drehen kann. Auf YouTube natürlich. Und: Jaaa, ich hab wirklich gelacht! Ich dachte nämlich erst, das ist ein Satire-Beitrag. Als solcher ist er wirklich sehenswert! Wirklich! Doch ich ahne: Die meinen das bestimmt anders.

Etwas netter ist da schon das Bohemien Browser Ballett, aber ich frage mich ernsthaft, ob das auch bei den kids einschlägt. Da bin ich eher auf der Seite des Postillons, der da schreibt:  Mit dem neuen Content-Netzwerk, […] zielen die Sender vor allem auf die begehrte und bislang nicht erreichte Gruppe der 44- bis 59-Jährigen. Punkt.

Was Die Dattelträger so machen muss man noch erwarten wollen. Erster Eindruck: hier geht’s natürlich um Integration. Vielleicht sogar um Flüchtlinge. Klasse.

Dann noch: Die Frage. Frage ich mich. Wichtige Fragen werden geklärt, die liegen (natürlich) im dubstep-Musikbett. Wo auch sonst. Es gibt sie nämlich, diese großen, kniffligen Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Woche für Woche, natürlich.
Und jetzt wird’s wirklich heftig: Hier geht’s um Sex und wie er wirklich ist! Das moderiert (natürlich auf YouTube) die platinblonde Kristina ganz offen und tabulos. Der Name des Formats heißt dann auch FickDich. Yo. Herr Doktor Sommer wird sich im Grabe umdrehen. Mehrfach.

Und als wäre es noch nicht genug, wirklich alles und jedes zu ver-fanfictionnen, bietet das funk.net nun dazu noch das Killer-Format: die YT-Anima-Serie TubeClash kann nun von der Community mitgestaltet werden. Dabei soll es auch um Nachwuchsförderung gehen. Macher-statement: Wir sind die Generation, die sich ihre Helden selbst aussucht – und somit kann jeder zu einem Helden werden!
Ich bin platt.


Also insgesamt satte neununddreißig verschiedene Formate durfte ich zählen. Tendenz leider wohl eher steigend.

Gesamteindruck: alles reichlich bemüht und reichlich anbiedernd. Ich glaube nicht, dass das funktionieren wird. Siehe bento.

Und ich bin jetzt etwas erschöpft. Kann ich ruhig sein, versichert man mir: Schließlich bin ich schon über fünfzig. WTF?

Eine bonbon-bunte App habe ich natürlich auch gleich ausprobiert. Hey, neu hier? Ja? Auf geht’s: Denn hier lässt’s sich prima durch alles durchwischen, mixen und man kann natürlich seine keeps collecten, damit man kein update mehr verpasst. Noch Fragen?

Ich habe aus Spass mal ein paar zielgruppenrelevante kids in unsere Schule gefragt.

Wat? funk.net? Nö. Keine Ahnung. Nie gehört.

Tja. Hat der Postillon doch recht? Ich vermute: Er hat.


Ein Fazit erspare ich mir.

Eine weniger medienwirksame Randbemerkung jedoch nicht: Zugunsten von funk.net wurden die Programme EinsPlus und ZDF-Kultur hingerichtet. Eingestam…ähh… eingestellt.

Und zwar endgültig.

@chris_huebener

tb_logokl

 

 

 

 

Die mit der Bibel drohen: Evangelikale vs. EKD

Also: wie ihr sehen könnt, lese auch ich in der Bibel. Nicht, das es nachher aus gewissen Kreisen heißt: der weiß ja gar, von (über) was er da schreibt. Doch. Weiß er. 😉 Aber: zum Thema!


 

Auffällig ist ja, dass das keiner so laut sagen möchte. Dass es diese Polarisierung gibt. Auf Nachfrage wird da immer auffällig schnell abgewiegelt.

Dennoch ist diese Polarisierung da und wird mit jedem Tag lauter. Sie spiegelt sich immer öfter nicht nur in vielen evangelischen Medien, auch Tages-und Wochenpresse haben sich bereits eingeklinkt.

Denn gibt viele bemerkenswerte Ereignisse.

Dazu gehört ganz sicher der Ausbruch des Herrn Parzany (Pastor i.R.; Ex-Vorstand Deutsche Evangelische Allianz; Ex-Agitator und Anführer der evangelikalen ProChrist Bewegung), der im Ruhestand seine Füße nicht stillhalten kann und sich erneut eine Bühne sucht.

Nun könnte man sagen: Meinetwegen. Das machen andere ja schließlich auch.

Aber: In Zusammenarbeit mit einem populistisch agierendem, stramm-konservativen Christlichen Magazin ein Memorandum (für mich ein klares Spaltungs-Pamphlet) zu veröffentlichen, in dem der Großteil der hier lebenden Christen (also ganz klar: die, die nicht seine folgsamen Schäfchen sind) als orientierungslos und von falschen Lehren umtrieben verunglimpft wird, ist schon ziemlich frech. Dort auch mit offensichtlichen Tiraden gegen die Arbeit der EKD zu pöbeln halte ich – vorsichtig gesagt – ebenfalls für unangemessen.

Der Aufruf zum Widerstand gegen die Irrlehren, die in den evangelischen Kirchen z.T. ausdrücklich vertreten und gefördert werden erinnert mich stark an gewisse politische Strömungen – müssen wir also bald mit Montags-Spaziergängen Besorgter Christen und entsprechenden Parolen rechnen?

Derartige Aufrufe sind unerträglich.

Dennoch werden sie gerade aus dem evangelikalen Lager mehr oder weniger direkt befeuert und bekommen damit auch eine (sicher gewollte) politische und gefährliche Dimension.

Vergessen darf man in dem Zusammenhang auch nicht den Theologen Michael Diener, seines Zeichens Vorsitzender der Evangelischen Allianz, der vor Kurzem in den EKD-Rat gewählt worden ist und unter anderem mit seinem (angemessenen) Aufruf zur Selbstkritik bei vielen Evangelikalen nun wenigstens als Überläufer geschmäht wird. (…es gibt da ja auch noch ganz andere Apostrophe).

Eine recht bemerkenswerte Funktion nimmt hier auch das sogenannte Christliche Nachrichtenmagazin IDEA ein. Beobachtet man nicht nur deren reißerischen Schlagzeilen-Platitüden, sondern auch ihre Auftritte in den sozialen Medien genauer, muss man schon mal sehr kräftig nach Luft schnappen.

Auf der einen Seite werden dort kritische Kommentierer nachweislich blockiert oder die von ihnen geposteten Inhalte gelöscht, auf der anderen Seite werden dort klar hetzerische und hasserfüllte postings – gerichtet vor allem gegen EKD-Mitglieder/Befürworter und vornehmlich gegen alles, was einen rot-grünen Anschein zu haben scheint –  geduldet und nicht entfernt. Verbandelt ist man zudem mit konservativen Größen wie z. B. Herrn Kauder, pflegt Kontakte zur Jungen Freiheit und zur erzkonservativen kath.net – Plattform.

Größter Feind ist im Moment der Islam. Und damit gemeint: die Flüchtlinge. Das wird natürlich nicht so laut gesagt, schimmert aber immer wieder klar erkennbar durch. Mindestens in den schon – nicht gelöschten – eindeutig wegweisenden Kommentaren.

Die sehr kluge Zurückhaltung der EKD – Oberen (Warum sagt denn von denen nicht endlich mal jemand was?), die zum Glück nicht gleich nach jedem Ereignis besserwisserisch-moralisierend loszetern, wird als Kraftlosigkeit oder gar Anbiederung zum Islam uminterpretiert und so bewusst fehlgedeutet.

In dieses fast islamophobe Bild passen auch die überprüfungswürdigen Betrachtungen der (evangelikalen) Organisation OpenDoors zur Christenverfolgungen, die nach den jüngsten Recherchen des online-Magazins Telepolis offensichtlich nach eigenem Gusto festlegt, wer als verfolgt gilt, und wer nicht (s. dort).

OpenDoors jongliert damit nachweislich mit willkürlichen Zahlenwerken in der breiten Öffentlichkeit und instrumentalisiert so verfolgte Christen. In vielen evangelikalen Publikationen wird das oft – fast nach Märtyrertum heischend – hervorgehoben. So schafft man sich sein eigenes Stigma und pflegt ein schlichtes, rechtgläubiges Gesamtweltbild.

Die EKD hält sich da manchmal etwas zu sehr zurück, sieht man mal von vorsichtig kritischen Stimmen wie z. B. Thies Gundlach (EKD-Kirchenamt) ab.

Verständlich schon: Es ist zwar leider alles sehr schwierig und man möchte heute lieber nicht in Amt und Würden stehen. Egal, wie man sich äußert – kann nur schiefgehen. Politisch korrekt oder eben nicht: der tägliche shitstorm aus irgendeiner Ecke der diskussionsunwilligen Netzöffentlichkeit ist jedem, der sich standhaft artikuliert, sicher. Aber diese Zurückhaltung reicht eben nicht.

Es reicht auch nicht, all das schade oder gar traurig zu finden – wie sich oft lesen lässt. Was es sicher ist. Aber das reicht nicht.

Denn ich halte die Vereinfachungen und die vermeintlich klaren Antworten der evangelikalen Bewegung für brandgefährlich: Sie suggerieren eine Unkompliziertheit, die es so überhaupt nicht gibt.

Aber es ist noch viel schlimmer.

Diese vereinfachenden statements und Glaubenssätze werden von den Verantwortlichen bewusst in einer Zeit eingesetzt, in der die Verunsicherung (auch bei vielen Christen) kaum größer sein könnte.

Das ist ein gefährliches Kalkül, denn es sagt gleichzeitig etwas darüber aus, wie sich Machtgefüge innerhalb der evangelikalen Bewegung steuern lassen. Von dort aus aufklärerisch oder gar diskussionsfördernd zu wirken, ist da völlig kontraproduktiv. Lieber werden vermeintliche Irrlehren hergezerrt, die es zu bekämpfen gilt, einfachste Antworten auf hochkomplexe Vorgänge geliefert, der böse Zeitgeist (…bitte mal nachlesen, was das bedeutet!) beklagt, es wird gar zum Widerstand aufgerufen.

Da fehlt jedes Gespür für Verhältnismäßigkeit. Oder: wird weggelassen.

Es provoziert auch ganz sicher Reflexionslosigkeit und Irrationalität.

Von Kritikfähigkeit will ich hier erst gar nicht anfangen.

Es sind Mechanismen, die auch diejenigen gelernt haben haben, die mit ihren kruden Weltsichten jeden Montag im Trüben fischen. Es sind die gleichen Mechanismen, mit denen Alternative Parteien hierzulande ungeahnte Ergebnisse einfahren. Sie wissen was sie tun.

Ich denke: Das weiß auch Herr Parzany und sein Gefolge.

Ich finde das – gerade im Hinblick auf unseren Glauben – schlichtweg mittelalterlich und damit absolut unverantwortlich. Das hat nichts mit Mut oder mit Verantwortung zu tun. Gar nichts. Es ist unverantwortlich.

Darüber hinaus zeigt es in der Öffentlichkeit auch ein Bild von uns Christen.
Es ist auch ohne all das schon nicht das Beste, fürchte ich.


 

Ich möchte den evangelikalen die-hard-Christen sagen:

Die Zeiten von Billy Graham sind vorbei. Auch die von Zeltmissionen und ihren Gruppendruck-Bekenntnissen. Seid nicht traurig, aber: Das ist vorbei. Geschichte. Die Dinge ändern sich.
Auch bei Christen. Nicht traurig sein.

Ich möchte ihnen sagen:

Die Welt ist kompliziert. Wir brauchen keine schlichten schwarz/weiß-Antworten. Sie machen diese komplizierte Welt nicht einfacher. Leider.

Wir brauchen keine machtorientierten, rechtgläubigen und verzerrenden Sturheiten.

Wir brauchen viel Wissen, viel Neugierde, viel Aufmerksamkeit, viel Toleranz, viele Diskussionen, viel Forschergeist, viel Geduld, viel Weisheit und viel Weitblick. Als Christen.

Sonst werden wir bald überhaupt nicht mehr ernstgenommen.

 

Seht genau hin…

wünscht sich

Euer Christoph

 

Quellen: Evangelische Zeitung für Niedersachsen, Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Die Welt, spiegel-online.de, Idea, evangelisch.de, Deutsche Evangelische Allianz, EKD, Telepolis, OpenDoors u.v.a.m.

tb_logokl

 

#Schlussjetzt

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Schon in der digitalen Frühzeit habe ich damit begonnen, verschiedene Medien (so auch u.a. facebook und twitter) zum Austausch zu nutzen.
Meine Idee und Hoffnung dahinter war, nette Menschen kennen zu lernen und/oder virtuell um mich zu haben, Erfahrungen auszutauschen und ab und zu etwas Erhellendes oder zumindest Interessantes zu erfahren oder auch selbst weitergeben zu können. Vielleicht auch mal zu lachen.

Ganz schön naiv, oder?

Fast ein Irrtum, wie mir heute scheint.

Denn die Zeiten haben sich ganz offensichtlich geändert.

Ein Beispiel:

Im Laufe der Jahre haben sich also auf meiner facebook-Seite etwas mehr als 300 *Interessierte* ange… ähm.. versammelt.

Das ist zwar so als erstaunliche Zahl ganz hübsch, aber ich stelle fest: Im Gegensatz zu manch Anderem bin hier weder auf dem Weg zum highscore, noch reichen meine (durchaus vorhandenen) Mitteilungsgelüste soweit, dass ich mich verzweifelt danach strecken müsste, mit dem Rest der Menschheit *befreundet* zu sein.

Da auf mancherlei Kontaktanfrage gleich positiv zu reagieren, war sicher voreilig. Oder bequem. Oder unbedacht. Oder ein Konglomerat aus all dem. Das kann ich mir schon vorwerfen.


Letztlich beobachte ich in der Konsequenz, dass ich regelmäßig reichlich genervt bin.

Das liegt sicher auch daran, dass gefühlt mehr als zwei Drittel der Beiträge in meiner timelines vergleichsweise überflüssig sind:

Das beginnt mit variablem (süßen!) Tier-content an, geht über meistens peinliche und/oder schlecht gemachte Videos, die per sofort ungefragt und lautstark über mich herfallen, weiter über Telefonzellenbilder, die an bessere Zeiten erinnern sollen oder mit ge-photoshoppten, grellbunt-reizüberflutenden Naturbildchen verziert mit erlösenden Sinnsprüchen, vermeintlichen (dem Zusammenhang brutal entrissenen) Zitaten von ebensolchen vermeintlich wichtigen Größen (weil’s eben irgendwie grad so schön zu irgendwas passt…) und endet mit kruden Weltverbesserungsvorschlägen und/oder rechtgläubig-religiösen Wirrungen, die in der Regel einfach unreflektiert und selbstherrlich sind.

Oder eben ausdrücklich intellektuell-defizitär, einfacher gesagt: Dumm, vorsätzlich diskussionsunwillig und informationsresistent. Worin sich dann auch noch gesonnt wird.

Internet-blog-Ikone Sascha Lobo findet dafür noch drastischere Worte: Blitzhass, Knalldummheit und offen rausgerotzte Gewaltbereitschaft.


Wer nun glaubt, all das ließe sich nicht mehr übersteigern, der irrt:

Gepostet oder geteilt wird auch immer mehr irgendwelcher verschwörungstheoretischer-Müll – frei nach dem Motto: Da könnte ja vielleicht doch wenigstens ein bisschen was dran sein.

Was früher als Aberglaube belächelt wurde, bekommt durch solche *Beiträge* nun eine bedeutende, mediale Relevanz.

Nicht vergessen darf ich auch nicht die inflationären Lebensbewältigungsbeiträge (neudeutsch: life-hacks), die dem durchschnittlichen Mitteleuropäer vermitteln wollen, er brauche eine mit weltanschaulichem Unterbau versehene Anleitung, mit der man schnell, effizient und absolut richtig ein normales Wohnungsfenster öffnen kann.

Umkehrschluss wäre ja dann wohl: die Benutzung von Internet und sogenannten sozialen Netzwerken lässt uns derart verblöden, dass solche Anleitungen dringend notwendig sind.

Dazu kommen dann noch Merkwürdigkeiten wie sich selbst überbietende was-weiß-ich – challenges, die irgendwelche Randgruppen vor dem sonst sicheren Untergang zu bewahren sollen und überaus wichtige Anleitungen, wie man aus einer Salatgurke eine Landschaftsabbildung der Küste am südchinesischen Meer auf den Teller zaubert. Fantastisch, oder?

Letztendlich: die vielen, inhaltsleeren und peinlichen *huhu-ich-weiß-aber-auch-noch-was-nehmt-mich-gefälligst-wahr*-Kommentare.

Ich komme nicht umhin, noch einmal Sascha Lobo zitieren, denn treffender lässt es sich kaum zusammenfassen:
[…] Der Internetkommentar ist ironischerweise das Symbol für das vorläufige Ende des Diskurses: Es kommt nur noch auf die emotionale Inszenierung des Moments an. Die spontan gefühlte Wahrheit ersetzt die Wahrheit, die momentane Überrumpelung ersetzt das Argument, der plötzliche Knalleffekt ersetzt die Erkenntnis. Bei einer Diskussion kommt es nicht darauf an, wer argumentativ überzeugt, sondern wer so wirkt, als habe er gewonnen. Der völlig verbogene Internetdiskurs vollendet damit, was das Fernsehen begonnen hatte: Politik nur für den Moment, Politik für Leute ohne Gedächtnis, Politik ohne Verantwortung für Vergangenheit oder Zukunft. […]


Ich habe den Eindruck:

Das alles wird immer schlimmer, immer egozentrischer, immer flacher, es frisst ungefragt Zeit und interessiert mich schlicht überhaupt nicht.
Nun lässt sich zwar angeblich durch ein wahres Funktionswirrwarr mit unterschiedlichsten tools und gadges alles all das auch noch mehr oder weniger präzise steuern. Ich habe aber weder Zeit noch Motivation, diesen ganzen Kram in irgendwelche Gruppen mit mehr oder minder ausgedehnten Nicht-Berechtigungen zu sortieren, Kommentarfunktionen zu bearbeiten, zu re-kommentieren oder filtern oder was sich jeweils sonst noch alles einstellen lässt.

Ich habe einige Zeit mit dem Versuch verbracht, gegen vielen Blödsinn anzuschreiben, zu argumentieren, zu informieren oder einfach meine Bedenken zu äußern. Das lief jedoch günstigstenfalls ins Leere, endete aber viel öfter in empathie-befreiter Intoleranz, wüsten Beschimpfungen oder gar Drohungen. Konsequenterweise auch feige und ohne Klarnamen.

Davon habe ich – ganz ehrlich – die Schnauze ziemlich voll.

Und nicht nur das: es erschreckt mich zutiefst.
Das hat alles nichts mit mehr Austausch zu tun. Für viele scheint das eine Möglichkeit zu sein, ihren Wahn mit allem damit verbundenen Unsinn auf Kosten anderer unbekümmert auszuleben.

Ohne mich.

Damit ist jetzt Schluss:

Ich werde alle meine accounts nach der Weihnachtszeit deutlich aufräumen und mich damit von vielen Besuchern trennen. Ich werde auch weniger schreiben.

Zumindest aber (hoffentlich) überlegter.

Und auch nur für die, die das wirklich lesen wollen.

 

Euch allen eine ruhige und gesegnete Weihnachtzeit – bleibt aufmerksam!

wünscht

Christoph

 
Quellenangabe: Sascha Lobo (im Zusammenhang)

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Gibt es sie noch, die guten Dinge?

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Kompliziert ist die Welt und war sie eigentlich immer. Dennoch gibt es ein paar Montags-Spaziergänger, die das einfach einen Dreck schert: für sie ist die Welt einfach und schlicht, und wer sie ihnen kompliziert macht (Merke: Vorsatz!), ist eben klar als Abendlandkulturfeind ausgemacht. Herr Bachmann ist nicht so dumm, wie wir annehmen – zumindest ist er bequem. Sich parteipolitisch zu engagieren, ist halt schon deutlich anspruchsvoller, als unverdrossen in sozialen Medien herumzupöbeln, Gleichgesinnte auf die schon zitierten lautstarken Spaziergänge zu schicken, allerlei Hinrichtungsgerät für bekannte Politiker als alberne Bastelei hinzustellen und krude Redner zu engagieren.

Ich finde nur erstaunlich, dass es immer noch diese relativierenden ist ja gar nicht so schlimm oder das sind ja nun `n paar  – lass die doch! und war doch nicht wirklich sooo gemeint -Kommentare gerade in intellektuellen Kreisen gibt. Bloß keine Stellung beziehen? Und in gleichem Atemzug dann dieses quasi-liberale man muss doch mit den reden – Herumgeeiere. Blödsinn. Die wollen gar nicht reden. Wollen die nicht. Die wollen auch keine Ahnung haben. Sich mit nichts auseinandersetzen. Wollen die nicht. Da auch ist alle gesellschaftlich gewünschte Dialogwut völlig nutzlos. Die wollen auch kein verwirrendes Wissen – obwohl es noch nie so einfach und so schnell möglich war, sich das beschaffen zu können. Das setzt aber eine Willensbekundung voraus. Statt dessen benutzen sie die Lügenpresse-Beschimpfung als Ausrede für die eigene mediale Dummheitheiten. Sie befeuern damit auch ihre Selbststigmatisierung und spielen sich als unverstandenen Märtyrer auf. Interessant übrigens: das ist ein Vorgang, der sich auch sehr viel bei recht konservativen religiösen Strömungen wiederfinden.

Da fällt es mir nicht schwer, zu sagen: Abgrenzen, bitte. Und zwar schnell und konsequent. Sonst kommt dieser weinerlich-egozentrische Frustrationsmüll tatsächlich noch in der Mitte der Gesellschaft an. Herr B. Höcke von der AfD versucht das ja (zum Glück) reichlich erfolglos. Bei dem bin ich mir übrigens noch nicht sicher, ob er auch wirklich meint was er sagt. Ich vermute aber: der ist gerissener, als er sich in peinlichen Talkrunden gibt. Was dann wiederum zu bedauern ist.

Kompliziert also. Wie schon gesagt.


Doch ab und zu wachen ja auch mal ein paar Leute in den gutbürgerlichen Kreisen auf: wem Sascha Lobo’s Qaida – Vergleich mal wieder zu drastisch vorkommt, hat spätestens dann erblasst Katalog und Meißner Kaffeegeschirr aus der Hand gelegt, als er erfuhr, das der Gründer der wahren und guten Manufactum-Dinge, Thomas Hoof auch Verleger eines gewissen Akif Pirinçci ist. Mahlzeit.

Die von Hoof angezettelte, wertkonservative Selbstdarstellung Manufactums – immer gewürzt mit weitschweifiger Katalog-Prosa – hat damit auch einen gewissen ideologischen Bodensatz, wie sich jetzt feststellen lässt. Mittlerweile lässt sogar Manufaktum daselbst verlauten, man distanziere sich ausdrücklich vom Gründer.

Gibt es sie also noch, die guten Dinge?

Man darf zweifeln.


Wie kompliziert die Welt doch ist, zeigt uns ja auch das derzeitige Fußballverbandsdebakel. Dass Herr Niersbach schon mal vergisst, den durchaus nicht besonders nennenswerten Betrag von 6,7 Millionen Euro verschoben zu haben, kann ich schon verstehen. Auch, dass ihn das emotional trifft, wie er bei der Eröffnung eines einschlägigen Museums mit bebender Stimme im Kreise seiner Abhäng… ääh Sportsfreunde bekundet. Was aber nicht verstehe, ist das Schweigen der ach-so-vielen Fans, die sich weiterhin frohgemut das Geld für derartigen Größenwahn aus der Tasche ziehen lassen und sonst: davon nichts wissen wollen.

Jaja – ich weiß schon: die guten Dinge. Sommermärchen und so… Wie schön!

Gibt’s nicht mehr.


Wir mussten ja nun auch völlig überraschend feststellen, dass unsere Dieselkraftfahrzeuge keine sich selbst regenerierenden Naturprodukte sind. Erstaunlich.

Statt dessen brechen also immer mehr unkomplizierte und schöne Scheinwelten um uns zusammen, Lug und Trug – wohin das Auge blickt. Wahrscheinlich ist sogar der immer noch fallende Ölpreis ein hoax.


Aber bitte: nicht mutlos werden.

Wir haben ja mittlerweile genug gadgets zur Selbstoptimierung um uns versammelt, dass schon noch alles gut werden wird.

Von kulinarischen Genüssen ganz zu schweigen! – Die Industrie hält da ja für jede noch so weltenferne Randgruppe noch etwas Passendes bereit. Ich wundere mich jedes mal wieder über die neue Artenvielfalt, wenn ich an den Regalen des mir vertrauten Supermarktes vorbei flaniere, nur um ein plumpes Stück Käse oder eine profane, handelsübliche Wurstware zu erwerben.

So finde ich es überraschend, wie viele Menschen (die das vorher offensichtlich gar nicht gewusst haben!) mit einer Laktoseintoleranz unterwegs sind. Jedenfalls wäre das ein Rückschluss auf die vielen angebotenen Produkte, die in dieser Richtung plötzlich in den Regalen liegen. Und obwohl manche dieser Lebensmittel von Natur aus überhaupt keine Laktose enthalten, steht aber noch mal fettgedruckt drauf: Keine drin! Hm.
Auch ein anderes Supermarktfundstück aus dem Kühlregal brachte mich ins Grübeln: warum ein vegan-eingestellter Mensch (zur Erinnerung: die lehnen Fleischprodukte sehr grundsätzlich ab…) nun in ein Stück vegane Wurst beißen möchte, hat sich mir noch nicht erschlossen. Ehrlich. Zwar gibt es jetzt auch veganen fastfood, aber ich erinnere mich noch deutlich: vor etwa einem Jahrzehnt wusste kaum jemand, wie man vegan richtig schreibt…

Doch vielleicht wird die Welt ja jetzt davon ein Stück besser, wer weiß?

Schon schwierig, sich heutzutage zu outen. Als jemand der gern die gute, alte Wurst mit Genuß essen kann. Ich tu’s aber.
Und mal unter uns: ich weiß auch nicht wirklich genau, ob der Kaffee, den ich auf dem Bild in der Hand halte, fair getradet ist…


Ich sehe den kommenden zwei Wochen eher neugierig ins Auge.

Da findet sich sicher wieder etwas, über das sich – hoffentlich angemessen – schreiben lässt…

Also: immer hübsch dran bleiben. An dieser komplizierten Welt

wünscht sich

Christoph

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Manches für die Tonne. Diese Woche.

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Gelegentlich versuche ich ja, die tagespolitischen Gegebenheiten auszublenden. #ihrkenntdas
Das gelingt leider – wenn überhaupt – nur in geringem Umfang. Ist ja auch schwierig: Der AfD / Pegida-Dumpfsinn entfacht des schlichten Wutbürgers Willen, wieder mal an Demos (neudeutsch: Spaziergängen) teilzunehmen, der Anführer einer bajuwarischen Einheitspartei möchte gerne nun auch Deutschland einzäunen, und schließlich steht der Russe jetzt auch schon in Syrien! Es ist zum Verzweifeln!

Wäre da nicht die Kultur. Und einen kulturellen Lichtblick hat mir heute Wladimir Kaminer verschafft, der mich (nicht nur) auf seinem facebook-account regelmäßig mit gleichermaßen kreativen wie erheiternden Weltsichten verwöhnt (Danke!).

Grund genug also, meinen Betrachtungen und Seitenhieben heute mal feuilletonistischen Charakter zu geben:


Zu beklagen ist: der Tod von Hellmuth Karasek. Darüber ist ausführlich an vielen Stellen geschrieben worden: also will ich mich zurückhalten. Dennoch werde ich einen Menschen vermissen, der mich (nicht nur intellektuell) bereichert hat. In der oft so selbstgefälligen Kulturszene war Karasek jemand, der nicht mit seinem unglaublichen Wissen kokettierte, sondern auf wirklich sehr feinsinnige und  ausgesprochen humorvolle Art und Weise eine Unterhaltungskraft entfalten konnte, die (nach wie vor) ihresgleichen sucht. Das nicht mehr zu haben, ist ein tiefer Verlust.

In gleichem Zuge ist Henning Mankell zu nennen. Nun habe ich – da ich mich eigentlich nicht für Kriminalprosa interessiere – bislang nichts von ihm, dennoch sehr viel über ihn gelesen. So ist er mir als differenziert denkender Moralist und Aufklärer in Erinnerung, der auch durch seine politische Haltung oft (im positiven Sinne) aneckte und zum Nachdenken aufforderte. Auch das wird fehlen.

Sie mögen beide ihren Frieden finden.


Und zur Welt der bewegten Bilder:

In der vergangenen Woche las ich einen Beitrag von Susan Vahabzadeh (schreibt u. a. für die SZ) über das amerikanische Kino. Sie konstatiert, dessen Hauptfiguren hätten ihre moralische Strahlkraft verloren, alles würde noch noch vom Bösen übertüncht. Da ich dieser Betrachtung grundsätzlich folgen kann, las ich neugierig weiter. Dummerweise bleibt ihre reichlich zeitgeistige Analyse in Vergleichen stecken: Clint Eastwood’s Dirty Harry mit den Cops aus Denis Villeneuves Sicario nebeneinander zu stellen, ist schon etwas gewagt. Mir fehlt auch eine Verbindung zur Gesellschaftsanalyse, denn schon seit Sergej Eisensteins filmtheoretischen Schriften wissen wir vom Kino als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse und den damit verbundenen moralischen Aspekten. Die Frage, warum nun diese moralische Strahlkraft verloren ging, bleibt weitgehend unbeantwortet. Und im Schlusssatz quasi als Fazit dem Kino als solchem Eskapismus zu testieren, ist wirklich sehr wenig originell und schon gar nicht erhellend. Da fehlt was… Es ist doch ärgerlich, wenn solche Überlegungen unvollendet bleiben und ich frage mich dann immer, was das soll. So gehts nicht. Ich bin enttäuscht.

Die beinahe vergessene, griechische Finanzkrise bekommt nun auch Jason Bourne, Protagonist der gleichnamigen Filmsaga zu spüren: das neue Epos (erscheint im Sommer 2016…) spielt in Griechenland, wird aber nun auf Teneriffa gedreht. Es geht – richtig – um’s Geld. Von Universal hört man, die verschlungene Bürokratie und die ungünstige Steuerpolitik Griechenlands sei verantwortlich. Übersetzt: Die feinfühlige griechische Regierung mochte der Produktion am Originalschauplatz keine der sonst branchenüblichen Steuergeschenke zusprechen. Die genieren sich da wohl im Augenblick etwas…. Teneriffa ist da schmerzfrei(er). Noch Fragen?

Noch mal Kino:

Und jetzt bitte ganz viel Kraft zeigen: von der Blockbuster-Front bekommen wir die Drohung, dass die Spielzeugfirma Hasbro noch vier(!) weitere Episoden des sinnfreien Transformer-Debakels produzieren wird. Mit angeschlossenen Verwertungskette natürlich… Dagegen wirkt ja die Ankündigung von Ridley Scotts Weltraum-Robinsonade The Martian mit Matt Damon mit Völkerverständigung-Finale wie die Ankündigung von Hochkultur… Ich denke ich, ich konzentriere mich auf den nächsten Bond. James Bond. Kommt ja jetzt auch… 😉


Nun aber zum geschriebenen Wort:

Komisch finde ich zwischen allerlei Neuerscheinungungen ein 288 Seiten(!) starkes Werk des Stefan Zweig-Kenners Ulrich Weinzierl, der uns in einem neuen Buch (Zweigs brennendes Geheimnis, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2015) nach detektivischer Kleinstarbeit durch Briefe, Tagebücher und sonstige Nachlässe nun endgültig Gewissheit verschafft: Stefan Zweig war ein Exhibitionist! Das ist doch mal ein Erkenntnisgewinn, der ein völlig neues Licht auf das gesamte Zweig’sche Schaffen wirft oder? Das wollten wir ja schon immer mal wissen. Manchmal frage ich mich ernsthaft, was solche Autoren eigentlich umtreibt…


Neue online-Medien…

… beglücken uns ja auch: mit bento (übrigens ein Begriff aus der asitatischen fastfood-Verpackungs-Szene: nomen est omen?…) hat die Spiegel-online – Leitung eine jugendlich wirkende Crew berufen, die nun mit einer jugendschwangeren website über eben diese Zielgruppe herfallen soll. Credo der hippen Jungredakteure: Wir wollen für euch aus der Welt und dem Web berichten, spannende Geschichten erzählen und ein bisschen Quatsch machen.

Im Ernst jetzt: Ich hab voll den Schreck bekommen!! Trotzdem gleich mal nachgesehen. Dann mein Fazit: Das kann eigentlich nur schief gehen, wenn man sich an buzzfeed, Huffington, storyfox, heftig und vergleichbaren Kanälen orientiert und dann tatsächlich meint, Flach-content / -webdesign, wäre DER Aufforderungscharakter für Jugendliche (neudeutsch: kids) im web, um sich weltpolitisch orientieren zu wollen. Das ist nicht mal ambitioniert, sondern einfach nur doof – sorry. Ich hatte ja fast ein schlechtes Gewissen, dass ich als alter Sack eine an kids (ja! – ich kann auch anglizistisch!) gerichtete Seite so böse qualifiziere. Doch dann fand ich den Beitrag des 18jährigen Miguel Robitzky, der da noch bissiger zu Sache kommt – und übrigens unterhaltsam schreiben kann! Mir aus der Seele, sozusagen. Was hab ich (laut!) gelacht! Da war ich froh und hab so gedacht: Juchu, wir alten Säcke blicken auch noch ab und zu mal durch :-D. Wie schön.


Und (fast) neue Musik gibts!

Don Henley (seit früher Jugend einer meiner erklärten Lieblingsbarden) überrascht nicht nicht mehr. Aber ich muß Ferdy Doernberg zitieren (…einer der umtriebigsten singer/songwriter-, Studio-, live- Musiker, die ich kenne; zudem ein langjähriger wie guter Freund), der neulich beim gemeinsamen Abendessen bekundete: Selbst dann, wenn Don Henley aus einem Telefonbuch vorsingt, ist das noch cool.
Recht hatter! Henley’s neues Album Cass County (Universal Music Group) strotz vor eben dieser Souveränität. Der Eagles– Mitbegründer versammelte – mehr aus Spaß an der Freude – für diese wirklich sehr schöne Sammlung unterschiedlichster Songs einige Bekannte und Freunde (Miranda LambertMerle Haggard, Mick Jagger, Jamey Johnson, Martina McBride, Alison Krauss, Dolly Parton, Vince Gill) im Studio und spielte eine Platte ein, die amerikanischer kaum sein könnte. Wer das sehr klug produzierte Album auf das Attribut Country herunterbricht, hat nicht viel von dieser Musik verstanden. Bei mir zwar nicht in der Dauerschleife, aber doch immer wieder und immer wieder sehr gerne im CD-Spieler. Macht einfach Spass, aufmerksam und entspannt Musik und Texten zu folgen, die auch nach wiederholtem Hörgenuss noch ein zusätzliches Schnippselchen an Neuem parat haben… Meine Zugabe: bei YouTube findet sich zur Vorstellung dieser Platte ein unterhaltsames Interview mit Don Henley. Geführt übrigens von keinem Geringeren als Billy Joel. Das von 92Y produzierte Interview gibts hier. Dazu sollte man sich aber lohnende eineinhalb Stunden Zeit nehmen…

Und sonst?

Ich hätte ja noch was zum Thema Esskultur beizutragen, nachdem ich über einen Artikel über veganen fastfood (?!?) gestolpert bin, aber dazu ein andermal mehr – Fontanes‘ Briest hätte jetzt sicher gesagt: Das ist ein weites Feld, Luise…

So verbleibe ich bis zum meinen nächsten Ausbrüchen

mit guten Wünschen zu kommenden Woche

Eurer Christoph

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Kirche rockt. Vielleicht doch? Ein Nachschlag.

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Da habe ich ja offensichtlich ein ziemliches Fass aufgemacht. Oha.

Ich bin jedenfalls einigermaßen überrascht von der Resonanz auf meinen letzten Artikel.
Innerhalb von zwei Tagen explodierte meine Statistik: weit über 1000 Leute hatten nach 48 Stunden den Artikel gelesen, weitergeleitet oder empfohlen – überdies war mein mail-Postfach rappelvoll und es wurde kräftig (...auch in sozialen Netzwerken) diskutiert, kommentiert und ich bekomme immer noch Nachrichten. Darunter sehr viel Zuspruch, Anerkennung und auch Anregungen. Von evangelischer wie von katholischer Seite übrigens.

Euch allen also vielen Dank dafür!


Wie ja schon angedroht, habe ich mir vorgenommen, mit dem blog nicht bloß konsterniert stehen zu bleiben, sondern weiterzugehen.

Was also tun?

Am besten immer mal gleich vor Ort anfangen – hab ich mir gedacht – und zunächst mal mit der hiesigen Kreiskantorin Kontakt aufgenommen und sie auf meinen Artikel hingewiesen.

Die Antwort kam prompt, und ich war doch einigermaßen verblüfft, wie sehr sie mit meinen Einschätzungungen d‘ accord geht und ins Gespräch kommen will. Sie drückte auch ihr Bedauern über mangelnde zeitliche und fachliche Kapazitäten diesbezüglich aus, und dazu gehört ja erst mal was. Zu dem bestätigte dies meine Vermutungen zum – im zitierten Artikel beschriebenen – vorhandenen Dilemma. Die Gesprächsbereitschaft ist also da, und ich werde sie nutzen und ausbauen.


Über die vielen Reaktionen, Zuschriften und Kommentare habe ich von Organisationsformen und Initiativen erfahren, die teils mit vorsichtigen, ersten Erfolgen arbeiten oder nur (aus den bekannten Gründen) still und leise vor sich hin dümpeln.

Auch hier will und werde ich Kontakt aufnehmen und denke im Augenblick an über einen Austausch und/oder eine Vernetzung nach.

Jaja… ich höre schon Eure Unkenrufe: Ist ja alles ganz prima, aber doch sehr wenig praktisch – bitte nicht noch ein um sich selbst kreisendes Netzwerk!

Stimmt. Sehe ich auch so. Man muss zwar voneinander wissen, sollte aber auch was tun.

Daher nun endlich mal ganz praktisch:

Aus meiner (säkularen) Arbeit mit/um/bei Bands lässt sich allerhand beitragen. Angesprochen werden sollen nicht nur Kirchenmusiker, aber eben gerade auch die. Und: alle, die in die Arbeit mit Jugendlichen/Konfis/Jugendkreisen/jungen Erwachsenen usw. eingebunden sind.

Unbedingt auch Pastoren und Kirchenvorstände (s.u.).

Ich glaube sicher, dass gerade der Blick über die schon zitierten Kirchenmauern neue Sichten zulässt und diese Arbeit befeuern wird – Rock und Pop funktioniert nach ganz, ganz anderen Gesetzen, braucht völlig andere Strukturen und gründet sich auf deutlich abweichende Erfahrungen.

Dazu gehören neben der Musik und den  wichtigen inhaltlichen Aspekten, vernünftige Präsentation(en), solide Veranstaltungstechnik, ein gewisses Management, intensive Pressearbeit, Kontakte zur Veranstalungsszene und und und…

Aufgabe muss es sein, Wissen zu transportieren, um das alles wirklich zu verstehen und damit konkret Hilfe zu vermitteln. Ich bin mir sicher, dass eine solche Arbeit deutlich besser von Externen (nicht-Kirchenmusikern) Kräften geleistet werden soll. Damit will ich die Arbeit von Kirchenmusikern keinesfalls schmälern: sie haben nur völlig andere Erfahrungen. Natürlich kann und will ich damit auch nicht die gesamte kirchenmusikalische Ausbildung umkrempeln (auch wenn ich in bestimmten Momenten dazu nicht übel Lust verspüre… 😉 ). Darum wird es nicht gehen können.

Aber doch um eine breit angelegte Ergänzung und Anleitung. Da werde ich ansetzen. Dazu jedoch braucht es eine ebenso breit angelegte Unterstützung. Und nicht nur zwei bis drei *Pop-Beauftragte* in der gesamten EKD. Sondern den ausdrücklichen Willen aller Verantwortlichen.
Vielleicht sollte ich mich auch mal an Herrn Padfor…. ääh Bedford-Strohm wenden, was denkt ihr? Hat jemand eine mail-Adresse für mich?  🙂


Back to business:

Natürlich kann und werde ich mich nicht hinsetzen, und eine Band nach der anderen aus dem Boden stampfen.

Das wird – obwohl sicher wünschenswert – nicht klappen.

Hiermit möchte ich folgendes offensiv anbieten:

Denkbar ist für mich konkrete Unterstützung in den Kirchenkreisen und Gemeinden, bei Kirchenvorständen, Pastoren, Funktionern und andere Beteiligte – auch wenn das erst mal nur Beratung sein wird.

Ich kenne die vielen Fragen aus meiner beruflichen Erfahrung (übrigens auch aus meiner eigenen Gemeinde…), aber ich kenne auch das Potential, das die Gemeinden haben – gerade infrastrukturell gibt es dort vielfältige Grundlagen, die man sich für solche Arbeit zu nutze machen kann.

Es geht aber  – neben den oben schon angeführten Grundsätzlichkeiten – auch um Beratung bei der Organisation von Veranstaltungen: so steht z.B. nirgendwo in Stein gemeißelt, dass Bands nur in Gottesdiensten oder Kirchen spielen sollen. Nochmal: auch hier gibt es ein großes Potential. Es gilt, die richtigen Fäden zu ziehen und sich vorhandene Strukturen zu erobern.

Das geht. Lässt sich alles lernen.


Wer also konkret an so einer externe Beratung und zu Gesprächen interessiert ist: bitte organisiert was, sagt mir, wann und wo – ich komme gerne!

Für konkrete Eure konkreten Termin-Anfragen und/oder sonst ernst gemeinte Beiträge steht Euch meine e-mail zu Verfügung.

Ganz einfach hier klicken und losschreiben.

Ich freue mich auf Eure Zuschriften, Fragen, Anregungen und so. 😉

Wir lesen uns!

Christoph


Noch was in eigener Sache: Meine Bio bzw. mein Impressum auf dieser Seite wurde ein paar mal angefragt/angemahnt. 😉
Ich werde dem nachkommen: hier gibts eine Rubrik *Meine Seite* – bisher ist nur ein Blindtext drin, aber dort die Tage also mehr über mich… Wieder reinklicken, bitte.

Mein blog beschäftigt sich übrigens nicht nur mit Kirchenmusik. Hier gehts auch regelmäßig bei anderen Themen zur Sache. Der button zum abonnieren findet sich irgendwo in der Mitte rechts… Bei twitter findet ihr mich auch regelmäßig, wer mir folgen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. Dort bin ich @chris_huebener

Kirche rockt. Nicht.

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Also wer jetzt hier was über die Flüchtlingsdebatte lesen möchte: bitte an die Tagespresse und/oder einschlägige Nachrichtenmagazine wenden. Hier geht’s heute mal in eine ganz andere Ecke.


Nämlich Richtung Kirchenmusik.

Und jetzt bitte einen Schreck bekommen. Und weiterlesen.

Ich muss kurz (hoffentlich gelingt’s!) ausholen: Der Anlass zu diesem Beitrag ergab sich aus meiner langen Betrachtung aus der Sicht des kirchenaktiven und der des Rockmusikers / Bandcoachs. Zudem aus neuen Kircheninitativen und – sehr aktuell – aus einem Diskurs mit einem engagierten Pfarrer in einem bekannten sozialen Netzwerk. Wichtig: dieser Beitrag richtet sich nicht nur an (Kirchen-) Musiker. Aber natürlich auch.

Und Vorsicht – Der Beitrag polarisiert und ist an einigen Stellen wirklich polemisch!

Soll er auch.

Denn ich finde es sehr, sehr ärgerlich, wenn Kirche auf der einen Seite ständig beklagt, dass ihr die Leute wegrennen und/oder nicht bleiben, auf der anderen Seite aber in vielerlei Hinsicht nichts dagegen tut, obwohl es durchaus Möglichkeiten gäbe.


Stein meines Anstoßes waren also ein paar sogenannte moderne Kirchenlieder, die auch in Gesangbüchern abgedruckt werden. Man muss dazu verstehen, dass diese Lieder im Kirchsprech reichlich verquast, weltenfern und zudem (bis auf Ausnahmen) unzutreffend mit der Kategorie moderne Popularmusik in Kirche belegt werden. Alles klar?

Bei dem so apostrophierten Musikgut handelt es sich übrigens fast ausschließlich um seichte Pop-/Folk-/Protest-/Mitmach-Stückchen aus den siebziger Jahren. So kämpft heute (zur Erinnerung: wir schreiben das Jahr A.D. 2015!) der durchschnittliche Konfirmandenunterricht immer noch mit den musikalischen Spätfolgen dieser Dekade.

Solche Musik hören wir aber heute nicht mehr (oft). Jedoch machen die Konfis das alles meist brav mit (was sollen sie denn auch sonst machen?), und es gibt viele Pfarrer, die versuchen, diese Musik mit viel Energie ans Kirchenvolk zu bringen.

Sie haben ja nichts anderes. Woher auch?

Doch dazu später.

Jetzt habe ich erst mal ein paar Aufreger für die klassischen Kirchenmusiker an Orgel, Posaune oder Gospelchor:

Erschreckend innovativ wird es musikalisch in der Kirche, wenn schon mal auf der Orgel zu Beginn des Gottesdienstes ein Stück von Lady Gaga intoniert wird. Ist kein Witz – das hab ich selbst erlebt. Auf meine erstaunte Nachfrage hieß es: modern. Ich habe mich nach dem ersten Schock in gleichem Zuge übrigens gefragt, warum bisher niemand modern fand, ein Stück von den Stones auf einem Spinett einzuspielen. Ich hoffe, die Antwort ist selbsterklärend. Mann, mann…

Es gibt übrigens viele ähnliche Beispiele, die ich auf Nachfrage zu Unterhaltungszwecken gerne weitergebe.

Ein Wort aber doch noch zu den vielen sogenannten Gospelchören, die ja jetzt unglaublich in Mode sind. Es ist – so erlebe ich das – so mit das allermodernste, was Gemeinden sich trauen, ihren Kirchenbesuchern überhaupt zuzumuten. Das klingt übrigens in Regel so, wie vermutet wird, das Gospel so klingen müsste. Naja… Gut, gut: ich hör schon auf, ich werde kleinlich….


Zurück zum Thema: eine Band im Gottesdienst? Das geht nicht. Höchstens ein Keyboard mit Gitarre, verschanzt hinter Notenständern. Band ist zu laut. Da rennen alle raus – wird gerne argumentiert.

Jetzt werde ich nochmal kleinlich: Ich habe noch niemanden erlebt, der bei voll registriertem Kirchenorgel-Vorspiel rausgegangen ist, weil ihm das zu laut war. Gilt übrigens auch für ein voll besetztes Bläser-Ensemble, das eigentlich fast noch lauter als die zitierte Orgel ist. Dabei entspricht der dort erreichte Pegel etwa dem gleichen Niveau, wie dem einer Band.

Daran kann es also offensichtlich nicht liegen.

Bleiben wir beim Publikum: Zu modern (was immer das ist…) darf die Kirchenmusik nicht werden, wird immer gesagt, weil nämlich dann die alten Leute (…also in der Regel, die, die überhaupt noch zum Gottesdienstbesuch kommen / Anm. d. Ver.) wegbleiben.

Wird immer gesagt.

Ich halte das für ein Scheinargument und für einen Irrtum, auch deshalb, weil damit unterstellt wird, dass alle jenseits von fünfzig/sechzig Jahren Pop- und Rockmusik hassen. Was natürlich völliger Quatsch ist.
Diesbezügliche Experimente (leider viel zu wenig durchgeführt) zeigen zu dem etwas anderes: bei gut eingeführter Pop- oder Rockmusik in Gottesdiensten bleiben die Älteren durchaus da. Und zu allem Überfluss: die Jüngeren und Mittel-Alten beginnen, sich über diese Musik wieder für Kirche zu interessieren und kommen wieder.

Das geht. Und ist gar nicht so schwer.

Doch warum ist das so selten? Warum ist die Ablehnung so groß und warum so wenig Initiative da?

Es ist ja nicht so, dass es keine Leute gibt, die da gerne helfen möchten. Aber bei näherer Betrachtung wenden sie sich oft kopfschüttelnd ab.

Und das zu Recht.
Folgende, realistische Fantasie:

Ein Rockmusiker, der seit einige Jahren in diversen säkularen Bands unterwegs ist und einiges musikalisch auf dem Schirm hat, hat zu seinen kirchlichen Wurzeln zurückgefunden und überlegt sich, mit seinem erworbenen Wissen zu helfen.
Das wird ihm aber schwer gemacht. Denn: um Musik offiziell in einer Gemeinde anleiten zu dürfen, bedarf es einer gewissen Anzahl kostenpflichtiger Kurse (mit Aufnahmeprüfung!), die sich zudem fast ausschließlich mit klassischen, musikalischen Grundlagen beschäftigen. Das mag zwar ganz interessant und erhellend sein, geht aber an der Realität von Rock-und Popmusik völlig vorbei.
Also sucht unser Rockmusiker schnell das Weite.

Diese Ausbildungsauflagen hängen (durchaus erklärbar) mit tradierten, kirchenmusikalischen Strukturen zusammen, die von den Kirchenoberen weitestgehend zementiert werden. Verzeihung – Ausnahme ist natürlich: moderne Popularmusik in Kirche (s.o.)
Übrigens wird in den Kirchenmusiker-Stellenanzeigen eben das immer öfter für die Gemeinden gefordert: Bandarbeit. Innovative Ideen. Ich kenne aber keinen ernsthaften und gutwilligen Rockmusiker (und ich kenne wirklich einige…)., der einen Kirchenmusikschein macht. Wer bewirbt sich also? Klassisch ausgebildete Musiker, die einen workshop belegen und dann was produzieren? Genau! – moderne Popularmusik in Kirche (s.o. noch mal). So beißt sich die Katze in den Schwanz. Ein Schelm! – der Böses dabei denkt…

Dennoch gibt es Ausnahmen: (überwiegend) in vielen Freikirchen gibt es worship-Bands, die oft erstaunlich gut sind. Allerdings ist das eben auch nicht wirklich Rock- oder Pop, sondern eher eine Art Funktionsmusik zum sogenannten Lobpreis – das wird schon gerne mal verwechselt… Aber immerhin geht das dort schon, und deren Jugendgottesdienste sind  – im Gegensatz zu denen der Landeskirchen – immer erstaunlich voll.

Es gibt auch Initiativen einzelner Landeskirchen, die versuchen, über Foren-artige Internetpräsenzen (durchaus auch in sozialen Netzwerken) Kirchenmusik wieder in den Mitmach-Fokus zu rücken – leider eben nur halbgar: neue Angebote/Initiativen (z.B. für Rock-/Pop) finden sich hier explizit nicht. Bei genauer Durchsicht fällt auf: durchgängig bereits Etabliertes. (An-)Gepriesen werden in den Programmen fast ausschließlich Kurse für Orgelmusik, Posaunenchöre, Gospelchöre, Singen mit Kindern. Nicht zu vergessen die Veranstaltungs-Angebote für das breite Publikum: Orgelkonzerte, Gospelchöre und Gospelchöre. Und Bläser. Und Orgelkonzerte. Und nicht, das mir jemand vorwirft, ich recherchiere schlampig – stimmt! – Es tauchen auch ab und zu die etablierten Kirchenliederbarden mit dem schon erwähnten 70-Jahre Liedgut auf. Aber das war es dann eben auch. Wirklich ernst gemeinte Angebote und Konzepte für Rock- und Pop fehlen fast gänzlich. Vermutlich auch, weil das Personal fehlt (s.o.)

Beinahe hätte ich es unterschlagen: den Pop-Kantor. Ich frage mich jedes mal, wie lange sie wohl damit verbracht haben, um diese Tätigkeitsbeschreibung so abschreckend und sperrig wie nur irgend möglich zu kreieren…

Im Ernst: ich kenne einen Pop-Kantor und seine Vita und seine Arbeit, die wirklich sehr, sehr gut ist. Der Mann weiß, wovon er spricht und weiß, was er tut: astreine, gut produzierte Songs, die auch im Radio laufen könnten. Aber er ist quasi ein Einzelfall in Kirche und aufgrund seiner Tätigkeitsbeschreibung wird es (leider) noch viel Gelächter geben. Warum – um Himmels willen – lässt sich nicht einfach sagen: wir haben hier ´nen guten Mann, der sich um Rockmusik in der Kirche kümmert?
Nee: Pop-Kantor.

Da komm ich nicht drüber weg…

Aproppos Radio:

In den USA (jajaja: ich weiß schon – die machen auch nicht alles richtig^^) lässt sich sehr gut verfolgen, wie es gehen könnte: dort sind regelmäßig Stücke von christlichen Rock-/Popbands in den charts und laufen im Radio rauf und runter bzw. werden regelmäßig für Grammys nominiert. Das ist dort völlig normal. Die Stücke sind professionell produziert und werden von großen Plattencompanys ge-featured, bei Auftritten füllen sich große Hallen. Völlig normal.

Hierzulande ist das völlig undenkbar.

Die in den USA gängigen Strukturen von Kirchenmusik gibt es hier nicht – trotzdem lohnt sich der Blick dorthin sehr. Unsere Kirchenmusik-Strukturen sind vorwiegend klassisch und im negativen Sinne sehr konservativ geprägt. Der Eindruck entsteht, dass Veränderungen nicht sehr erwünscht zu sein scheinen.

Rock und Pop in der Kirche: Igitt. Das ist doch keine Musik.

Habe ich so schon live gehört. Von Kirchenmusikern.


Ein Fazit, das eigentlich zum Hilferuf mutiert, oder?

Liebe Kirche: es reicht leider nicht, versänftelte Kirchentags-Songs in Sondergesangsbüchern für *Moderne Kirchenmusik* in Gemeinden darzureichen. Reicht nicht, ehrlich!
Es reicht auch nicht, den 738sten Gospelchor aus dem Boden zu workshoppen:
die Leute, die sich das anhören, sind sowieso schon in der Kirche.
Und es werden dadurch auch nicht mehr.

Es gibt viel mehr da draußen. An Musik.

Über diese Musik lassen sich die Menschen erreichen, die nicht in der Kirche sind.

Bitte, liebe Kirchen: guckt über Eure Mauern und hört auf, an unzeitgemäßen Strukturen zu kleben.

Bitte.


Persönlicher Nachsatz:

Dieser blog ist hoffentlich kein unnötiges Herumgeschimpfe. Jedesfalls soll es keins bleiben. Ich habe mir vorgenommen, mich mit den entsprechenden, verantwortlichen kirchlichen Stellen ins Benehmen zu setzen, um etwas anzuschubsen, zu verändern. Ich biete Hilfe an. Ganz offensiv. Pläne und Konzepte. Für euren Zuspruch, eure Fragen, eure Ideen und Ratschläge bin ich erwartungsvoll offen.

Bitte schreibt mir. Danke.

email: hier klicken. Ganz einfach.

Rundumschlag

 

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Erster richtiger Beitrag: Schwierig.

Ich weiß gar nicht, wohin ich vor lauter Themen gucken soll. Ihr richtet Euch also besser auf einen (hoffentlich unterhaltsamen) Rundumschlag ein….

Vielleicht fange ich damit an, was in der letzten Woche (bei mir) so los war, okay?
Also: Ich habe mindestens vier sehr unterschiedliche Predigten in der Kirche zu verschiedensten Anlässen gehört und eine gelesen (das war zum Teil recht erhellend…), meine Tochter konfrontierte mich mit der Lösung eines Aufnahmetests zum Medizinstudium (das war weniger erhellend: es gereicht mir bestenfalls zum 50%-Arzt…); ich durfte zudem feststellen, dass sich das innereuropäische Postzustellsystem etwa auf dem Stand der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts befindet: die Postkarten aus der Normandie (vor drei Wochen gesendet…) erreichten die Freunde zeitgleich. Also: gestern (erfreulich!). Bisher unbefriedigend: meine Literaturauswahl für den bevorstehenden Herbst. Kann mir jemand helfen, bitte??

Und ich muss weiter klagen: die köstlichen Ferien sind samt meteorologischem – ebenso köstlichem – Sommer dahin (wenig erfreulich…). Schade: so entgeht mir eine hochgelobte Ausstellung über Robert Capa im fernen Budapest, welches – wie sich lesen lässt – auch keine Flüchtlinge mehr einlädt (…beides bedauerlich).

Wenig erfrischend ist es im Moment, die Politik und die öffentlichen Reaktionen in Augenschein zu nehmen (war es das je?).

Und auf der Flüchtlingswelle werde ich nur in sofern reiten, als das ich konstatieren kann, dass es erstaunlicherweise offensichtlich ein paar intelligente Zeitgenossen gibt, die richtig feststellen: Ja, wir sind wirklich selbst dran Schuld. Das geht natürlich in den derzeitigen politischen wie gesellschaftlichen Schall- und Rauch-Debatten völlig unter und scheint auch so gewollt: Wer will sich schließlich schon mit schwierigen, geschichtsträchtigen kolonial- und geopolitischen Verwicklungen oder mit wahnsinnigen, post-kolonialen Despoten auseinandersetzen? Da ist ja die idelologisch geprägte Hatz durch die desaströse Europapolitik durchaus kurzweiliger. Schuldzuweisungen sind hier übrigens auch erheblich einfacher. #nurmalso.

Aber auch die Reaktionen der sogenannten Öffentlichkeit hierzulande finde ich ausgesprochen – wie soll ich sagen? – anstrengend: Da leben wir nun deutlich länger als ein komplettes Jahrhundert auf dem Rücken der sogenannten Drittländer und wundern uns dann sehr aufgescheucht, dass deren Einwohner plötzlich(!) die Entdeckung machen, dass es ihnen hier bei uns erheblich besser gehen könnte. Daran haben wir gar nicht gedacht… Soetwas.

Und dann die Metaebene: Wir sind nach der Berichterstattungs- und Bilderflut sofort über die Maßen bestürzt und in unserer Seele tief berührt: die armen Menschen!! Auch alles ganz plötzlich. Haben wir vorher auch gar nicht dran gedacht.

Wie erleichternd ist es doch im Angesicht der vielen verstörenden Bilder, dass der süße (und bereits verschiedene…) Eisbär Knut wieder mit herzerweichend schönen Fotos in die sozialen Netze einfällt: Dank der Wissenschaft erfahren wir (empathiegetrieben!) nun endlich (auch auf den Panorama-Seiten der Tagespresse) die rätselhafte Ursache seines Ablebens: die Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis wars! Das ist doch mal ein echter Erkenntnisgewinn, oder?

Und noch ein Lichtblick: Eine Predigt, die ich las. Sie stammt vom Lingener Pfarrer Jens Brandebusemeyer (ein katholischer Glaubensbruder btw…). In dieser Predigt also rät er Rassisten öffentlich, aus der Kirche auszutreten. Zugegeben: ich bin echt beeindruckt! Nachlesen lässt sich diese Predigt hier.

Und jetzt doch noch einmal zu Thema Flüchtlingen. Dann hör ich aber damit auf. Versprochen. Die Evangelikalen scheuen sich aber auch gar nicht, den Finger in die Wunde zu legen! Wie nämlich deren (bildzeitungs-adäquates) Presseorgan IDEA verlauten lässt, fragt ein gewisser U. Siemon-Netto (Gründer eines theol. Zentrums/Anm. d. Verf.) ausgesprochen feinfühlig in die christliche Runde: *Erkennt die Kirche ihre Pflicht, die Flüchtlinge (…) auf unseren ganz anderen Gott hinzuweisen, der niemanden dazu aufruft, Köpfe abzuschneiden, sondern sich für uns ans Kreuz nageln lässt?*

Öhm, also nur noch mal zum besseren Gesamtverständnis: Der Mann bezieht sich damit auf den biblischen Missionsauftrag. Ist doch Klasse, oder?


Mal ehrlich:

Es tut doch auch gut, sich wieder vom komplexen Weltentreiben abzuwenden und sich in Provinzielle zurückzuziehen. Das haben ja auch östliche Politfürsten erkannt und nun ganz doll mit den Wessis geschimpft! Auf die Presse und überhaupt alle, die sagen, nur in der ehemaligen sowjetisch besetzten Zo…. hüstel.. DDR wäre alles so schlimm mit den Nazis. Das stimmt nämlich gar nicht, erfahren wir. Ich lass das mal umkommentiert stehen.

Oder besser nicht: Worum geht es da eigentlich??? Worum? Ich bitte um Beistand!

Also noch mal Provinz. Hier ist ja zum Glück das viel zitierte Sommerloch nicht existent: es wird an jeder Ecke gefeiert, bis der letzte Zapfhahn bricht! Keine Kleinstadt, die sich mit massivstem sommerlichen Veranstaltungsaufgebot die Butter vom Brot nehmen lässt. Geradezu inflationär, was Stadtmarketing und Gewebevereine (ganz uneigennützig natürlich…) da so auf die Beine stellen. Hauptsache feiern. Manchmal – so erlebe ich – könnte das sogar mit Kultur zu tun haben, die da irgendjemand ge-hypt hat. Aber das wird wohl (bedauerlich!) immer eine Nische bleiben: Stadtfestlicher Vergnügungs(verkaufs)rausch ist eben leider selten kulturkompatibel. Was zu bedauern ist.

Und das treibt natürlich oft realsatirische Blüten: so brüstete sich zum Beispiel eine heimische Brauerei in der Lokalgazette damit, eine Spende und Höhe von satten 750 Euro abzuliefern (whow!). An das Schützenfest. Großartig und recht generös, wenn man weiß, dass eigentlich zu diesem Feste kein anderes Bier ausgeschenkt werden dar… äh.. wird, als das von der zitierten Brauerei. Auweia.

Übrigens lauert allerorten (auch im höchsten niedersächsischen Norden) schon wieder das Oktoberfest! Die ersten Krachledernen werden nebst Dirndl im hiesigen Einzelhandel mit Blick auf hereinbrechende bayrische Fest-Adaptionen feilgeboten. Ich darf mich wundern: in Bayern käme vermutlich auch niemand auf die Idee, ein Erntefest in Schaumburger Tracht zu feiern… Naja. So lange ich das nicht tragen muss…
Apropos Bayern! Dort werden derzeit mal wieder unter dem Jubel der Einheimischen ikonenhafte Denkmäler aufgestellt: zum einen wird ein ehemaliger Partei-Anführer, Landesfürst und Nicht-Kanzler anlässlich seines 100ten Geburtstages trotz all seiner endlosen Affären und nachweislichen Korruptionsgelüste gen Himmel gehoben. Zelebriert wird das auch mit einer katholischen Messe zu seinen Ehren.

Und das Zweite Deutsche Fernsehen (aka ZDF) trägt eine weitere weihevolle und urbayrische Huldigung an diesem Wochenschluss bei: Zu seinem 70. Geburtstag wird Fifa-Exekutiv-Mitglied Herr F. Beckenbauer mit einem umfassenden Bild (so Produzent Hofmann…) geadelt. Natürlich – wie der Kommerz-Maschine #Fußball angemessen – reichlich heroisch und zu dem gewohnt unkritisch: Fragen zu seinen Katar-statements oder zu seiner unrühmlichen Rolle in der Fifa wurden wohl (offenbar auch auf Betreiben des Protagonisten) gänzlich ausgespart. Könne man sich ja auf  YouTube angucken, mault der Produzent auf Nachfrage. Aha.

Lichtgestalt, ließ sich in einer Rezension nachlesen. Wie schön. Sowas brauchen wir ja heute unbedingt. Lichtgestalten!


Und als Ex-Pilot wird es mir zum Schluss ganz warm ums Herz: mein Lieblingsflieger (die legendäre Douglas DC-3) wird in diesen Tagen 80 Jahre alt – ich saß schon mal (stolzgeschwellt!!!) als Co mit im Cockpit. Überraschung: Der Spiegel in seiner boulevardesken online-Ausgabe widmet dem sogar eine bemerkenswerte Rückschau (!!!), und ich bin fast ein bisschen begeistert. Der Artikel zitiert auch Luftfahrtexperten Paul Dean: Die DC-3 ist das einzige Flugzeug, das seine Erstflieger überlebt und deren Söhne in Pension befördert hat. Der Mann hat recht.

Ich hätte ja nicht übel Lust, noch mal was über ein Interview mit Deutschlands Ober-Country-Trucker Gunter Gabriel zu schreiben, welches ich im Feuilleton der SZ fand, doch ich sehe Euch schon mit den Händen ringen.

Keine Angst: es sei Euch erspart!  😀

Zum Beschluss noch ein kleiner Rat: geht mal wieder in Eure Kirche, die Tage. Ihr bekommt da sicher was zu hören…

Ansonsten Euch eine schöne neue Woche…

Bleibt aufmerksam!

wünscht sich

 

Christoph

 

 

Auweia. Noch einer…

 

 

…werden jetzt viele denken.

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Bitte nicht noch einen überflüssigen und zeitfressenden blog, der uns politisch-korrekt in drögem Besserwisser-dictus die moralisch richtige und sehr vernünftige Weltsicht in ausgeklügelt-belehrender Weisheit in endlosen Sätzen aufdrängen will.

Stimmt. Das muss nicht sein.

 

 

Wer das also hier erwartet: Ich wünsche noch einen schönen Tag! – der button zum wegklicken ist sicher in Reichweite. Danke.

 


Also, was soll das werden?

Hier geht’s sehr subjektiv (neudeutsch: befindlich) zu. Alles, was mich begeistert, amüsiert, was ich interessant oder beeindruckend finde, alles was des genauen Hinsehens oder Nachdenkens bedarf oder was mich schlicht aufregt – hier werde ich dieses und jenes regelmäßig und kurzweilig in eine Kolumne fassen. Kräftige und interessante Beiträge sollen das werden. Habe ich mir vorgenommen.  Zugehörige Fotos und links werde ich Euch auch nicht ersparen.

Kein politischer, kein konfessioneller, kein gesellschaftskritischer, kein weltanschaulicher und kein philosophischer blog. Viel eher: mein blog. Ausdrücklicher Vorsatz: Euch und mir zur Freude.

Und wenn’s gefällt: Bitte sehr gerne und weitverbreitet weiterempfehlen – auch auf den Euch angegliederten sozialen Netzwerken. Mit allen hashtags (#cc) und so weiter – Ihr wisst schon… Danke. Der blog lässt sich übrigens auch abonnieren. Kostenfrei.

Die ersten Beiträge werden alsbald erscheinen – spätestens jeweils zum Wochenende. Okay?

Achso, wegen der Kommentare: Die sind nicht automatisch freigegeben. Also Geduld bitte. Denn (… das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!) da es ja mittlerweile gesellschaftsfähig zu sein scheint, sich anonym mit allerlei Dummheiten und Beleidigungen in Kommentarfeldern auszukotzen, erlaube ich mir freundlichst, ebensolche sofort zu löschen (neudeutsch: Zensur). Nur mal so als Info 😉

Bis zum ersten richtigen blog also!

Bleibt dran

sagt
Euer Christoph