Die mit der Bibel drohen: Evangelikale vs. EKD

Also: wie ihr sehen könnt, lese auch ich in der Bibel. Nicht, das es nachher aus gewissen Kreisen heißt: der weiß ja gar, von (über) was er da schreibt. Doch. Weiß er. 😉 Aber: zum Thema!


 

Auffällig ist ja, dass das keiner so laut sagen möchte. Dass es diese Polarisierung gibt. Auf Nachfrage wird da immer auffällig schnell abgewiegelt.

Dennoch ist diese Polarisierung da und wird mit jedem Tag lauter. Sie spiegelt sich immer öfter nicht nur in vielen evangelischen Medien, auch Tages-und Wochenpresse haben sich bereits eingeklinkt.

Denn gibt viele bemerkenswerte Ereignisse.

Dazu gehört ganz sicher der Ausbruch des Herrn Parzany (Pastor i.R.; Ex-Vorstand Deutsche Evangelische Allianz; Ex-Agitator und Anführer der evangelikalen ProChrist Bewegung), der im Ruhestand seine Füße nicht stillhalten kann und sich erneut eine Bühne sucht.

Nun könnte man sagen: Meinetwegen. Das machen andere ja schließlich auch.

Aber: In Zusammenarbeit mit einem populistisch agierendem, stramm-konservativen Christlichen Magazin ein Memorandum (für mich ein klares Spaltungs-Pamphlet) zu veröffentlichen, in dem der Großteil der hier lebenden Christen (also ganz klar: die, die nicht seine folgsamen Schäfchen sind) als orientierungslos und von falschen Lehren umtrieben verunglimpft wird, ist schon ziemlich frech. Dort auch mit offensichtlichen Tiraden gegen die Arbeit der EKD zu pöbeln halte ich – vorsichtig gesagt – ebenfalls für unangemessen.

Der Aufruf zum Widerstand gegen die Irrlehren, die in den evangelischen Kirchen z.T. ausdrücklich vertreten und gefördert werden erinnert mich stark an gewisse politische Strömungen – müssen wir also bald mit Montags-Spaziergängen Besorgter Christen und entsprechenden Parolen rechnen?

Derartige Aufrufe sind unerträglich.

Dennoch werden sie gerade aus dem evangelikalen Lager mehr oder weniger direkt befeuert und bekommen damit auch eine (sicher gewollte) politische und gefährliche Dimension.

Vergessen darf man in dem Zusammenhang auch nicht den Theologen Michael Diener, seines Zeichens Vorsitzender der Evangelischen Allianz, der vor Kurzem in den EKD-Rat gewählt worden ist und unter anderem mit seinem (angemessenen) Aufruf zur Selbstkritik bei vielen Evangelikalen nun wenigstens als Überläufer geschmäht wird. (…es gibt da ja auch noch ganz andere Apostrophe).

Eine recht bemerkenswerte Funktion nimmt hier auch das sogenannte Christliche Nachrichtenmagazin IDEA ein. Beobachtet man nicht nur deren reißerischen Schlagzeilen-Platitüden, sondern auch ihre Auftritte in den sozialen Medien genauer, muss man schon mal sehr kräftig nach Luft schnappen.

Auf der einen Seite werden dort kritische Kommentierer nachweislich blockiert oder die von ihnen geposteten Inhalte gelöscht, auf der anderen Seite werden dort klar hetzerische und hasserfüllte postings – gerichtet vor allem gegen EKD-Mitglieder/Befürworter und vornehmlich gegen alles, was einen rot-grünen Anschein zu haben scheint –  geduldet und nicht entfernt. Verbandelt ist man zudem mit konservativen Größen wie z. B. Herrn Kauder, pflegt Kontakte zur Jungen Freiheit und zur erzkonservativen kath.net – Plattform.

Größter Feind ist im Moment der Islam. Und damit gemeint: die Flüchtlinge. Das wird natürlich nicht so laut gesagt, schimmert aber immer wieder klar erkennbar durch. Mindestens in den schon – nicht gelöschten – eindeutig wegweisenden Kommentaren.

Die sehr kluge Zurückhaltung der EKD – Oberen (Warum sagt denn von denen nicht endlich mal jemand was?), die zum Glück nicht gleich nach jedem Ereignis besserwisserisch-moralisierend loszetern, wird als Kraftlosigkeit oder gar Anbiederung zum Islam uminterpretiert und so bewusst fehlgedeutet.

In dieses fast islamophobe Bild passen auch die überprüfungswürdigen Betrachtungen der (evangelikalen) Organisation OpenDoors zur Christenverfolgungen, die nach den jüngsten Recherchen des online-Magazins Telepolis offensichtlich nach eigenem Gusto festlegt, wer als verfolgt gilt, und wer nicht (s. dort).

OpenDoors jongliert damit nachweislich mit willkürlichen Zahlenwerken in der breiten Öffentlichkeit und instrumentalisiert so verfolgte Christen. In vielen evangelikalen Publikationen wird das oft – fast nach Märtyrertum heischend – hervorgehoben. So schafft man sich sein eigenes Stigma und pflegt ein schlichtes, rechtgläubiges Gesamtweltbild.

Die EKD hält sich da manchmal etwas zu sehr zurück, sieht man mal von vorsichtig kritischen Stimmen wie z. B. Thies Gundlach (EKD-Kirchenamt) ab.

Verständlich schon: Es ist zwar leider alles sehr schwierig und man möchte heute lieber nicht in Amt und Würden stehen. Egal, wie man sich äußert – kann nur schiefgehen. Politisch korrekt oder eben nicht: der tägliche shitstorm aus irgendeiner Ecke der diskussionsunwilligen Netzöffentlichkeit ist jedem, der sich standhaft artikuliert, sicher. Aber diese Zurückhaltung reicht eben nicht.

Es reicht auch nicht, all das schade oder gar traurig zu finden – wie sich oft lesen lässt. Was es sicher ist. Aber das reicht nicht.

Denn ich halte die Vereinfachungen und die vermeintlich klaren Antworten der evangelikalen Bewegung für brandgefährlich: Sie suggerieren eine Unkompliziertheit, die es so überhaupt nicht gibt.

Aber es ist noch viel schlimmer.

Diese vereinfachenden statements und Glaubenssätze werden von den Verantwortlichen bewusst in einer Zeit eingesetzt, in der die Verunsicherung (auch bei vielen Christen) kaum größer sein könnte.

Das ist ein gefährliches Kalkül, denn es sagt gleichzeitig etwas darüber aus, wie sich Machtgefüge innerhalb der evangelikalen Bewegung steuern lassen. Von dort aus aufklärerisch oder gar diskussionsfördernd zu wirken, ist da völlig kontraproduktiv. Lieber werden vermeintliche Irrlehren hergezerrt, die es zu bekämpfen gilt, einfachste Antworten auf hochkomplexe Vorgänge geliefert, der böse Zeitgeist (…bitte mal nachlesen, was das bedeutet!) beklagt, es wird gar zum Widerstand aufgerufen.

Da fehlt jedes Gespür für Verhältnismäßigkeit. Oder: wird weggelassen.

Es provoziert auch ganz sicher Reflexionslosigkeit und Irrationalität.

Von Kritikfähigkeit will ich hier erst gar nicht anfangen.

Es sind Mechanismen, die auch diejenigen gelernt haben haben, die mit ihren kruden Weltsichten jeden Montag im Trüben fischen. Es sind die gleichen Mechanismen, mit denen Alternative Parteien hierzulande ungeahnte Ergebnisse einfahren. Sie wissen was sie tun.

Ich denke: Das weiß auch Herr Parzany und sein Gefolge.

Ich finde das – gerade im Hinblick auf unseren Glauben – schlichtweg mittelalterlich und damit absolut unverantwortlich. Das hat nichts mit Mut oder mit Verantwortung zu tun. Gar nichts. Es ist unverantwortlich.

Darüber hinaus zeigt es in der Öffentlichkeit auch ein Bild von uns Christen.
Es ist auch ohne all das schon nicht das Beste, fürchte ich.


 

Ich möchte den evangelikalen die-hard-Christen sagen:

Die Zeiten von Billy Graham sind vorbei. Auch die von Zeltmissionen und ihren Gruppendruck-Bekenntnissen. Seid nicht traurig, aber: Das ist vorbei. Geschichte. Die Dinge ändern sich.
Auch bei Christen. Nicht traurig sein.

Ich möchte ihnen sagen:

Die Welt ist kompliziert. Wir brauchen keine schlichten schwarz/weiß-Antworten. Sie machen diese komplizierte Welt nicht einfacher. Leider.

Wir brauchen keine machtorientierten, rechtgläubigen und verzerrenden Sturheiten.

Wir brauchen viel Wissen, viel Neugierde, viel Aufmerksamkeit, viel Toleranz, viele Diskussionen, viel Forschergeist, viel Geduld, viel Weisheit und viel Weitblick. Als Christen.

Sonst werden wir bald überhaupt nicht mehr ernstgenommen.

 

Seht genau hin…

wünscht sich

Euer Christoph

 

Quellen: Evangelische Zeitung für Niedersachsen, Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Die Welt, spiegel-online.de, Idea, evangelisch.de, Deutsche Evangelische Allianz, EKD, Telepolis, OpenDoors u.v.a.m.

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2 Gedanken zu “Die mit der Bibel drohen: Evangelikale vs. EKD

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