#Schlussjetzt

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Schon in der digitalen Frühzeit habe ich damit begonnen, verschiedene Medien (so auch u.a. facebook und twitter) zum Austausch zu nutzen.
Meine Idee und Hoffnung dahinter war, nette Menschen kennen zu lernen und/oder virtuell um mich zu haben, Erfahrungen auszutauschen und ab und zu etwas Erhellendes oder zumindest Interessantes zu erfahren oder auch selbst weitergeben zu können. Vielleicht auch mal zu lachen.

Ganz schön naiv, oder?

Fast ein Irrtum, wie mir heute scheint.

Denn die Zeiten haben sich ganz offensichtlich geändert.

Ein Beispiel:

Im Laufe der Jahre haben sich also auf meiner facebook-Seite etwas mehr als 300 *Interessierte* ange… ähm.. versammelt.

Das ist zwar so als erstaunliche Zahl ganz hübsch, aber ich stelle fest: Im Gegensatz zu manch Anderem bin hier weder auf dem Weg zum highscore, noch reichen meine (durchaus vorhandenen) Mitteilungsgelüste soweit, dass ich mich verzweifelt danach strecken müsste, mit dem Rest der Menschheit *befreundet* zu sein.

Da auf mancherlei Kontaktanfrage gleich positiv zu reagieren, war sicher voreilig. Oder bequem. Oder unbedacht. Oder ein Konglomerat aus all dem. Das kann ich mir schon vorwerfen.


Letztlich beobachte ich in der Konsequenz, dass ich regelmäßig reichlich genervt bin.

Das liegt sicher auch daran, dass gefühlt mehr als zwei Drittel der Beiträge in meiner timelines vergleichsweise überflüssig sind:

Das beginnt mit variablem (süßen!) Tier-content an, geht über meistens peinliche und/oder schlecht gemachte Videos, die per sofort ungefragt und lautstark über mich herfallen, weiter über Telefonzellenbilder, die an bessere Zeiten erinnern sollen oder mit ge-photoshoppten, grellbunt-reizüberflutenden Naturbildchen verziert mit erlösenden Sinnsprüchen, vermeintlichen (dem Zusammenhang brutal entrissenen) Zitaten von ebensolchen vermeintlich wichtigen Größen (weil’s eben irgendwie grad so schön zu irgendwas passt…) und endet mit kruden Weltverbesserungsvorschlägen und/oder rechtgläubig-religiösen Wirrungen, die in der Regel einfach unreflektiert und selbstherrlich sind.

Oder eben ausdrücklich intellektuell-defizitär, einfacher gesagt: Dumm, vorsätzlich diskussionsunwillig und informationsresistent. Worin sich dann auch noch gesonnt wird.

Internet-blog-Ikone Sascha Lobo findet dafür noch drastischere Worte: Blitzhass, Knalldummheit und offen rausgerotzte Gewaltbereitschaft.


Wer nun glaubt, all das ließe sich nicht mehr übersteigern, der irrt:

Gepostet oder geteilt wird auch immer mehr irgendwelcher verschwörungstheoretischer-Müll – frei nach dem Motto: Da könnte ja vielleicht doch wenigstens ein bisschen was dran sein.

Was früher als Aberglaube belächelt wurde, bekommt durch solche *Beiträge* nun eine bedeutende, mediale Relevanz.

Nicht vergessen darf ich auch nicht die inflationären Lebensbewältigungsbeiträge (neudeutsch: life-hacks), die dem durchschnittlichen Mitteleuropäer vermitteln wollen, er brauche eine mit weltanschaulichem Unterbau versehene Anleitung, mit der man schnell, effizient und absolut richtig ein normales Wohnungsfenster öffnen kann.

Umkehrschluss wäre ja dann wohl: die Benutzung von Internet und sogenannten sozialen Netzwerken lässt uns derart verblöden, dass solche Anleitungen dringend notwendig sind.

Dazu kommen dann noch Merkwürdigkeiten wie sich selbst überbietende was-weiß-ich – challenges, die irgendwelche Randgruppen vor dem sonst sicheren Untergang zu bewahren sollen und überaus wichtige Anleitungen, wie man aus einer Salatgurke eine Landschaftsabbildung der Küste am südchinesischen Meer auf den Teller zaubert. Fantastisch, oder?

Letztendlich: die vielen, inhaltsleeren und peinlichen *huhu-ich-weiß-aber-auch-noch-was-nehmt-mich-gefälligst-wahr*-Kommentare.

Ich komme nicht umhin, noch einmal Sascha Lobo zitieren, denn treffender lässt es sich kaum zusammenfassen:
[…] Der Internetkommentar ist ironischerweise das Symbol für das vorläufige Ende des Diskurses: Es kommt nur noch auf die emotionale Inszenierung des Moments an. Die spontan gefühlte Wahrheit ersetzt die Wahrheit, die momentane Überrumpelung ersetzt das Argument, der plötzliche Knalleffekt ersetzt die Erkenntnis. Bei einer Diskussion kommt es nicht darauf an, wer argumentativ überzeugt, sondern wer so wirkt, als habe er gewonnen. Der völlig verbogene Internetdiskurs vollendet damit, was das Fernsehen begonnen hatte: Politik nur für den Moment, Politik für Leute ohne Gedächtnis, Politik ohne Verantwortung für Vergangenheit oder Zukunft. […]


Ich habe den Eindruck:

Das alles wird immer schlimmer, immer egozentrischer, immer flacher, es frisst ungefragt Zeit und interessiert mich schlicht überhaupt nicht.
Nun lässt sich zwar angeblich durch ein wahres Funktionswirrwarr mit unterschiedlichsten tools und gadges alles all das auch noch mehr oder weniger präzise steuern. Ich habe aber weder Zeit noch Motivation, diesen ganzen Kram in irgendwelche Gruppen mit mehr oder minder ausgedehnten Nicht-Berechtigungen zu sortieren, Kommentarfunktionen zu bearbeiten, zu re-kommentieren oder filtern oder was sich jeweils sonst noch alles einstellen lässt.

Ich habe einige Zeit mit dem Versuch verbracht, gegen vielen Blödsinn anzuschreiben, zu argumentieren, zu informieren oder einfach meine Bedenken zu äußern. Das lief jedoch günstigstenfalls ins Leere, endete aber viel öfter in empathie-befreiter Intoleranz, wüsten Beschimpfungen oder gar Drohungen. Konsequenterweise auch feige und ohne Klarnamen.

Davon habe ich – ganz ehrlich – die Schnauze ziemlich voll.

Und nicht nur das: es erschreckt mich zutiefst.
Das hat alles nichts mit mehr Austausch zu tun. Für viele scheint das eine Möglichkeit zu sein, ihren Wahn mit allem damit verbundenen Unsinn auf Kosten anderer unbekümmert auszuleben.

Ohne mich.

Damit ist jetzt Schluss:

Ich werde alle meine accounts nach der Weihnachtszeit deutlich aufräumen und mich damit von vielen Besuchern trennen. Ich werde auch weniger schreiben.

Zumindest aber (hoffentlich) überlegter.

Und auch nur für die, die das wirklich lesen wollen.

 

Euch allen eine ruhige und gesegnete Weihnachtzeit – bleibt aufmerksam!

wünscht

Christoph

 
Quellenangabe: Sascha Lobo (im Zusammenhang)

tb_logokl

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