Rundumschlag

 

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Erster richtiger Beitrag: Schwierig.

Ich weiß gar nicht, wohin ich vor lauter Themen gucken soll. Ihr richtet Euch also besser auf einen (hoffentlich unterhaltsamen) Rundumschlag ein….

Vielleicht fange ich damit an, was in der letzten Woche (bei mir) so los war, okay?
Also: Ich habe mindestens vier sehr unterschiedliche Predigten in der Kirche zu verschiedensten Anlässen gehört und eine gelesen (das war zum Teil recht erhellend…), meine Tochter konfrontierte mich mit der Lösung eines Aufnahmetests zum Medizinstudium (das war weniger erhellend: es gereicht mir bestenfalls zum 50%-Arzt…); ich durfte zudem feststellen, dass sich das innereuropäische Postzustellsystem etwa auf dem Stand der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts befindet: die Postkarten aus der Normandie (vor drei Wochen gesendet…) erreichten die Freunde zeitgleich. Also: gestern (erfreulich!). Bisher unbefriedigend: meine Literaturauswahl für den bevorstehenden Herbst. Kann mir jemand helfen, bitte??

Und ich muss weiter klagen: die köstlichen Ferien sind samt meteorologischem – ebenso köstlichem – Sommer dahin (wenig erfreulich…). Schade: so entgeht mir eine hochgelobte Ausstellung über Robert Capa im fernen Budapest, welches – wie sich lesen lässt – auch keine Flüchtlinge mehr einlädt (…beides bedauerlich).

Wenig erfrischend ist es im Moment, die Politik und die öffentlichen Reaktionen in Augenschein zu nehmen (war es das je?).

Und auf der Flüchtlingswelle werde ich nur in sofern reiten, als das ich konstatieren kann, dass es erstaunlicherweise offensichtlich ein paar intelligente Zeitgenossen gibt, die richtig feststellen: Ja, wir sind wirklich selbst dran Schuld. Das geht natürlich in den derzeitigen politischen wie gesellschaftlichen Schall- und Rauch-Debatten völlig unter und scheint auch so gewollt: Wer will sich schließlich schon mit schwierigen, geschichtsträchtigen kolonial- und geopolitischen Verwicklungen oder mit wahnsinnigen, post-kolonialen Despoten auseinandersetzen? Da ist ja die idelologisch geprägte Hatz durch die desaströse Europapolitik durchaus kurzweiliger. Schuldzuweisungen sind hier übrigens auch erheblich einfacher. #nurmalso.

Aber auch die Reaktionen der sogenannten Öffentlichkeit hierzulande finde ich ausgesprochen – wie soll ich sagen? – anstrengend: Da leben wir nun deutlich länger als ein komplettes Jahrhundert auf dem Rücken der sogenannten Drittländer und wundern uns dann sehr aufgescheucht, dass deren Einwohner plötzlich(!) die Entdeckung machen, dass es ihnen hier bei uns erheblich besser gehen könnte. Daran haben wir gar nicht gedacht… Soetwas.

Und dann die Metaebene: Wir sind nach der Berichterstattungs- und Bilderflut sofort über die Maßen bestürzt und in unserer Seele tief berührt: die armen Menschen!! Auch alles ganz plötzlich. Haben wir vorher auch gar nicht dran gedacht.

Wie erleichternd ist es doch im Angesicht der vielen verstörenden Bilder, dass der süße (und bereits verschiedene…) Eisbär Knut wieder mit herzerweichend schönen Fotos in die sozialen Netze einfällt: Dank der Wissenschaft erfahren wir (empathiegetrieben!) nun endlich (auch auf den Panorama-Seiten der Tagespresse) die rätselhafte Ursache seines Ablebens: die Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis wars! Das ist doch mal ein echter Erkenntnisgewinn, oder?

Und noch ein Lichtblick: Eine Predigt, die ich las. Sie stammt vom Lingener Pfarrer Jens Brandebusemeyer (ein katholischer Glaubensbruder btw…). In dieser Predigt also rät er Rassisten öffentlich, aus der Kirche auszutreten. Zugegeben: ich bin echt beeindruckt! Nachlesen lässt sich diese Predigt hier.

Und jetzt doch noch einmal zu Thema Flüchtlingen. Dann hör ich aber damit auf. Versprochen. Die Evangelikalen scheuen sich aber auch gar nicht, den Finger in die Wunde zu legen! Wie nämlich deren (bildzeitungs-adäquates) Presseorgan IDEA verlauten lässt, fragt ein gewisser U. Siemon-Netto (Gründer eines theol. Zentrums/Anm. d. Verf.) ausgesprochen feinfühlig in die christliche Runde: *Erkennt die Kirche ihre Pflicht, die Flüchtlinge (…) auf unseren ganz anderen Gott hinzuweisen, der niemanden dazu aufruft, Köpfe abzuschneiden, sondern sich für uns ans Kreuz nageln lässt?*

Öhm, also nur noch mal zum besseren Gesamtverständnis: Der Mann bezieht sich damit auf den biblischen Missionsauftrag. Ist doch Klasse, oder?


Mal ehrlich:

Es tut doch auch gut, sich wieder vom komplexen Weltentreiben abzuwenden und sich in Provinzielle zurückzuziehen. Das haben ja auch östliche Politfürsten erkannt und nun ganz doll mit den Wessis geschimpft! Auf die Presse und überhaupt alle, die sagen, nur in der ehemaligen sowjetisch besetzten Zo…. hüstel.. DDR wäre alles so schlimm mit den Nazis. Das stimmt nämlich gar nicht, erfahren wir. Ich lass das mal umkommentiert stehen.

Oder besser nicht: Worum geht es da eigentlich??? Worum? Ich bitte um Beistand!

Also noch mal Provinz. Hier ist ja zum Glück das viel zitierte Sommerloch nicht existent: es wird an jeder Ecke gefeiert, bis der letzte Zapfhahn bricht! Keine Kleinstadt, die sich mit massivstem sommerlichen Veranstaltungsaufgebot die Butter vom Brot nehmen lässt. Geradezu inflationär, was Stadtmarketing und Gewebevereine (ganz uneigennützig natürlich…) da so auf die Beine stellen. Hauptsache feiern. Manchmal – so erlebe ich – könnte das sogar mit Kultur zu tun haben, die da irgendjemand ge-hypt hat. Aber das wird wohl (bedauerlich!) immer eine Nische bleiben: Stadtfestlicher Vergnügungs(verkaufs)rausch ist eben leider selten kulturkompatibel. Was zu bedauern ist.

Und das treibt natürlich oft realsatirische Blüten: so brüstete sich zum Beispiel eine heimische Brauerei in der Lokalgazette damit, eine Spende und Höhe von satten 750 Euro abzuliefern (whow!). An das Schützenfest. Großartig und recht generös, wenn man weiß, dass eigentlich zu diesem Feste kein anderes Bier ausgeschenkt werden dar… äh.. wird, als das von der zitierten Brauerei. Auweia.

Übrigens lauert allerorten (auch im höchsten niedersächsischen Norden) schon wieder das Oktoberfest! Die ersten Krachledernen werden nebst Dirndl im hiesigen Einzelhandel mit Blick auf hereinbrechende bayrische Fest-Adaptionen feilgeboten. Ich darf mich wundern: in Bayern käme vermutlich auch niemand auf die Idee, ein Erntefest in Schaumburger Tracht zu feiern… Naja. So lange ich das nicht tragen muss…
Apropos Bayern! Dort werden derzeit mal wieder unter dem Jubel der Einheimischen ikonenhafte Denkmäler aufgestellt: zum einen wird ein ehemaliger Partei-Anführer, Landesfürst und Nicht-Kanzler anlässlich seines 100ten Geburtstages trotz all seiner endlosen Affären und nachweislichen Korruptionsgelüste gen Himmel gehoben. Zelebriert wird das auch mit einer katholischen Messe zu seinen Ehren.

Und das Zweite Deutsche Fernsehen (aka ZDF) trägt eine weitere weihevolle und urbayrische Huldigung an diesem Wochenschluss bei: Zu seinem 70. Geburtstag wird Fifa-Exekutiv-Mitglied Herr F. Beckenbauer mit einem umfassenden Bild (so Produzent Hofmann…) geadelt. Natürlich – wie der Kommerz-Maschine #Fußball angemessen – reichlich heroisch und zu dem gewohnt unkritisch: Fragen zu seinen Katar-statements oder zu seiner unrühmlichen Rolle in der Fifa wurden wohl (offenbar auch auf Betreiben des Protagonisten) gänzlich ausgespart. Könne man sich ja auf  YouTube angucken, mault der Produzent auf Nachfrage. Aha.

Lichtgestalt, ließ sich in einer Rezension nachlesen. Wie schön. Sowas brauchen wir ja heute unbedingt. Lichtgestalten!


Und als Ex-Pilot wird es mir zum Schluss ganz warm ums Herz: mein Lieblingsflieger (die legendäre Douglas DC-3) wird in diesen Tagen 80 Jahre alt – ich saß schon mal (stolzgeschwellt!!!) als Co mit im Cockpit. Überraschung: Der Spiegel in seiner boulevardesken online-Ausgabe widmet dem sogar eine bemerkenswerte Rückschau (!!!), und ich bin fast ein bisschen begeistert. Der Artikel zitiert auch Luftfahrtexperten Paul Dean: Die DC-3 ist das einzige Flugzeug, das seine Erstflieger überlebt und deren Söhne in Pension befördert hat. Der Mann hat recht.

Ich hätte ja nicht übel Lust, noch mal was über ein Interview mit Deutschlands Ober-Country-Trucker Gunter Gabriel zu schreiben, welches ich im Feuilleton der SZ fand, doch ich sehe Euch schon mit den Händen ringen.

Keine Angst: es sei Euch erspart!  😀

Zum Beschluss noch ein kleiner Rat: geht mal wieder in Eure Kirche, die Tage. Ihr bekommt da sicher was zu hören…

Ansonsten Euch eine schöne neue Woche…

Bleibt aufmerksam!

wünscht sich

 

Christoph

 

 

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